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Unsere letzte
Veranstaltung:

 

Buchvorstellung

Corry Guttstadt

»Wege ohne Heimkehr«

Montag, den 11. Juli 2016

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

203 Seiten, geb., Verlag

Assoziation A.

19,80 €

 

ISBN 978-3-86241-440-6

Cotty Guttstadt stellt vor:

Wege ohne Heimkehr

Die Armenier, der Erste Weltkrieg und die Folgen – ein historisch-literarisches Lesebuch

 

Vor 101 Jahren, im Frühjahr 1915 begann der Völkermord an den osmanischen Armeniern durch das jungtürkische Komitee, welches sich im Jahr 1913 an die Macht geputscht hatte und als enger Bündnispartner des Deutschen Kaiserreiches auch in diesem Vorgehen deutsche Unterstützung und Rückendeckung erhielt.

Dieses Buch will in Form einer kommentierten historischen und literarischen Textsammlung ein Zeichen gegen das Vergessen setzen und an diesen Massenmord vor über 100 Jahren erinnern, aber auch das Leben der Armenier vor und nach dem Ersten Weltkrieg darstellen. Es präsentiert vor allem literarische, häufig autobiografisch geprägte Texte von (zumeist) Armeniern, die einen Eindruck ihrer vielfältigen Lebensrealitäten in Anatolien vermitteln. Weitere Texte schildern die Lebensbedingungen der überlebenden Armenier in der Türkei, in der das Verbrechen bis heute von staatlicher Seite geleugnet wird. So gab es auch für die meisten Überlebenden keine Heimkehr, ihre Familien waren ermordet, ihr Besitz beschlagnahmt.

Die heftigen, teilweise hasserfüllten Reaktionen staatlicher Amtsträger unter Führung des Staatspräsidenten Erdogan demonstrieren, wie eng die derzeitigen Machthaber noch der türkischen imperialen Machtpolitik verbunden sind - und wie fern sie einer sachlichen Auseinandersetzung mit den Hypotheken eben dieser Machtpolitik stehen.
Diese Reaktion unterstreicht die Wichtigkeit dieses Buches.

 

Corry Guttstadt, geb. 1955, studierte an der Universität Hamburg Turkologie und Geschichte. Während der 1980er und 1990er Jahre arbeitete sie als Übersetzerin (Türkisch), Deutschlehrerin und freie Autorin. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Situation der ethnischen und religiösen Minderheiten in der Türkei. Sie verbrachte ein Forschungssemester am Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington DC und erhielt mehrere Forschungsstipendien (u.a. von der Fondation pour la Mémoire de la Shoah in Paris). 2011 und 2012 war sie Projektmanagerin des Projekts zum multiperspektivischen Geschichtslernen »Zuerst einmal bin ich Mensch« am Anne Frank Zentrum Berlin.

Ihre Dissertation »Die Türkei, die Juden und der Holocaust« basiert auf Recherchen in etwa 50 Archiven weltweit. Das Buch avancierte zum internationalen Standardwerk zum Thema und wurde inzwischen ins Türkische und Englische übersetzt.

Derzeit erarbeitet Corry Guttstadt mit Förderung der Beate Klarsfeld Foundation und der Fondation pour la Mémoire de la Shoah eine Quellenedition zur Politik der Türkei während des Holocaust.


Zum Buch Wege ohne Heimkehr

»Dies ist ein Weg, von dem es keine Heimkehr gibt«, notierte Armin T. Wegner im November 1915 in Ras al-Ayn im heutigen Nordsyrien. Wegner, der 1915-1916 als Sanitätssoldat der osmanischen Armee Augenzeuge des Völkermords an den Armeniern wurde, beschrieb mit seinem Tagebucheintrag das Los der vielen Hunderttausend Deportierten, die der sichere Tod erwartete.

Doch eine Heimkehr gab es auch für die meisten Überlebenden nicht. Nicht für Zabel Yesayan, eine der wichtigsten armenischen Schriftstellerinnen und engagierten Frauenrechtlerinnen ihrer Epoche, die sich der Deportation durch Flucht entzogen hatte, der die Erinnerung an den Ort ihrer Kindheit aber ein geistiger Zufluchtsort blieb. Nicht für den Lehrer Hagop Mintzuri, der zeitlebens nicht in das Dorf zurückkehrte, aus dem seine Frau, seine vier Kinder und alle anderen Angehörigen deportiert worden waren.

Dieses Jahr jährt sich der im Schatten des Ersten Weltkriegs begangene Völkermord an den Armeniern zum 101. Mal. Die meisten der in diesem Band versammelten Texte sind literarische, häufig autobiografisch geprägte Texte von Armeniern, die damit selbst zu Wort kommen. Einige stammen von Überlebenden der Deportationen, darunter bekannten armenischen Schriftstellern wie Yervant Odian, aber auch von Personen wie Pailadzo Captanian, die aus dem Bedürfnis schrieben, Zeugnis abzulegen über die erlebten, unvorstellbaren Grausamkeiten.

Ein Großteil der Texte thematisiert nicht den Völkermord selbst, sondern die Erinnerungen von ArmenierInnen an ihr Leben vor 1914 oder das Weiterleben im Exil bzw. in der Republik Türkei. Sie vermitteln einen Eindruck der vielfältigen Lebensrealitäten von Armeniern im Osmanischen Reich. Armenier nahmen aktiv Anteil am intellektuellen Aufschwung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ob Lyrik, Prosa oder Journalismus, von der Satire bis zum Theater, die armenische Literatur war ein entscheidender Bestandteil der osmanischen Literatur jener Epoche. In den Werken der armenischen AutorInnen drückt sich ihre Hoffnung und dann, angesichts der Ausgrenzung und Vernichtung ihres Volkes, ihre Verzweiflung aus, die sich ganz ähnlich dem deutsch-jüdischen Schreiben des frühen 20. Jahrhunderts in hellsichtiger Gesellschaftsanalyse und Satire Bahn bricht.

Die Texte werden gerahmt durch ein Vorwort des Historikers Hans-Lukas Kieser zu den Hintergründen des Völkermords sowie ein Nachwort von Corry Guttstadt und Ragıp Zarakolu zur Erinnerungspolitik in der Türkei.

 

 

 

Montag, den
11. Juli 2016
um 19.30 Uhr

 

Eintritt:
6,– €/ erm. 4,– €

Ort:
In der Ossietzky-Buchhandlung,
Große Str. 34, Flensburg

 

Um telefonische Anmeldung wird gebeten:
0461-2 96 01

 

 

   

 

1990 - 2015

25 Jahre "Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung"

 

Ach, was waren wir optimistisch!
Nachdem so viele "alternative" oder linke Buchläden 1990 bereits das Zeitliche gesegnet hatten und unser Flensburger "Tigerberg-Buchladen" in einer taz- Anzeige im Sommer 1989 bereits zum "Verschenken" angeboten worden war, wollten wir einen Neustart!
Das ist jetzt 25 Jahre her – und es gibt uns tatsächlich noch. Das ist die gute und erfreuliche Nachricht – heute in Zeiten der massivsten Krise des Buchhandels durch die Konkurrenz neuer Medien und vor allem neuer, schier unerschöpflicher Bezugsquellen für Literatur, Wissen und Erkenntnis.
Aber ehrlich gesagt - das berührt uns nur am Rande! Natürlich ist uns auch der eine oder die andere Kundin "abhanden" gekommen, weil sie oder er jetzt z. B. den Tolino besitzt. Aber die E-Books können sie ja auch bei uns beziehen (wenn sie sich nicht in die klebrigen Fänge des Kindle von amazon begeben haben).

Nein – im wesentlich kämpfen wir seit 25 Jahren um unsere literarischen Ansprüche und gegen die profanen Widrigkeiten des Handels-Umfeldes! Den Kampf um unsere literarischen Ansprüche – nein, haben wir nicht "gewonnen", das wird mensch wohl nie können, aber in diesem Kampf haben wir uns qualifiziert und mitgehalten mit dem, was wir in unserer Einladung zur Eröffnung am 14. März 1990 als Ansprüche formuliert haben. Davon sind wir überzeugt – und die vielen Kundinnen und Kunden, die wir als Stammbesucherinnen gewonnen haben, beweisen uns das Tag für Tag.
Anhaltende Sorgen bereiten uns nur die katastrophale Entwicklung der Mieten in der Innenstadt und konkret in der Großen Straße. Was für ein Leerstand - wieder einmal! Immer noch ist es anscheinend gewinnbringender, große und funktionstüchtige Objekte leer stehen zu lassen als die Mieten dem Umsatzpotential anzupassen. Das stellt für uns eine latente wirtschaftliche Bedrohung dar, zwingt zu einem Wirtschaften am Rande des Existenzminimums, teilweise sogar unterhalb dessen.

Aber wir, fast 40 Gesellschafterinnen und Gesellschafter der die Buchhandlung tragenden KG, haben uns vorgenommen:
Wir wollen diese Buchhandlung - wir glauben an die Notwendigkeit dieses kleinen literarischen und intellektuellen Freiraums auch in der Kleinstadt Flensburg!
Das Angebot einer anspruchsvollen Buchauswahl – von Gesellschaftsromanen, Krimis, Kinder- und Jugendbücher, Literatur des Judentums, aus Osteuropa, aus Afrika, Asien und Lateinamerika bis hin zu aufklärerischen politischen und geschichtlichen Sachbüchern mit entsprechender Tiefe – ist unser Markenzeichen. Das braucht diese Region!

Darauf wollen wir anstossen
– und laden alle Freundinnen und Freunde der
"Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung" zu einem Empfang am
Samstag, den 25. April ab 11.00 Uhr in die Große Str. 34 ein!

Veranstaltungen
haben wir auch geplant bzw. verabredet, auf denen wir unsere Angebote zur Diskussion stellen:

Veranstaltung "Sind wir wieder gut?" – Die deutsche Wiedergutmachungspolitik: Elvira Glück von der JEWISH CLAIMS CONFERENCE, Berlin, am Donnerstag, den 21. Mai;
... und weitere Lesungs- oder Vortrags-Vorschläge sind in Arbeit.


Vortrag und Diskussion mit Prof. Hauke Brunkhorst über sein Buch "Das doppelte Gesicht Europas" am Mittwoch, den 29. April;
eine Lesung mit dem Schriftsteller Gerhard Henschel am Donnerstag, 7. Mai;

 

 

Samstag, den
25. April 2015
um 11.00 Uhr

Ort:
In der Ossietzky-Buchhandlung,
Große Str. 34, Flensburg

 

25 Jahre alte Dokumente zum Groß-Klicken:

 

 

 

 

       
 

2014 – Gute Bücher!

 

Aus der Fülle vieler schöner und anspruchsvollerer Romane des Jahres 2014 ragen sicher die Buchpreisträger hervor: Im Frühjahr Saša Stanišić auf der Leipziger Buchmesse mit dem Roman "Vor dem Fest", im Herbst Lutz Seiler mit "Kruso" für den Deutschen Buchpreis und schliesslich Patrick Modiano mit seinem vielfältigen Werk für den Literaturnobelpreis – allesamt gut lesbare Autoren (auch wenn es viele gute weitere KandidatInnen gab), die etwas mitzuteilen haben, die spannend und mit Tiefgang erzählen können.

 

Neben diesen deutschsprachigen Autoren möchten wir ihnen die neuen Romane von Dave Eggers, Ulla-Lena Lundberg und NoViolet Bulawayo ans Herz legen – allesamt spannende, auffällige Autoren, die viele Leserinnen und Leser verdienen.

 

Ein Versäumnis aus dem Jahre 2013 möchte ich noch korrigieren – ein Roman, der mich so in den Bann gezogen hat wie schon lange kein zweiter: Der wiederentdeckte und erstmalig auf deutsch erschienene Roman von John Williams, "Stoner" (gerade jetzt im November auch als Taschenbuch erhältlich)! Das ist der nüchterne, einfache aber faszinierende Roman vom Leben eines Literaturprofessors, dem Scheitern seiner Ehe, seines Familienlebens und den Querelen im Uni-Kollegium, der sein Glück in der Liebe zur Literatur findet – dabei in allen Einzelheiten treffend geschildert, da ist kein Wort zuviel, spannend trotz des vorhersehbaren Verlaufs.

 

Aus diesem Jahr 2014 möchten wir Ihnen die folgenden Romane, Sachbücher und Spannungsbücher besonders empfehlen:

 


Saša Stanišić:
Vor dem Fest Luchterhand, 320 S., geb., 19,99 €
9783630872438

 

Seiler, Lutz:
Kruso Suhrkamp Verlag, gebunden, 22.95 €
9783518424476

 

Eggers, Dave:
Der Circle Kiepenheuer & Witsch, gebunden, 22.99 €
9783462046755


Lundberg, Ulla-Lena:
Eis mareverlag gebunden, 24.00 €
9783866482067


Bulawayo, NoViolet:
Wir brauchen neue Namen
Suhrkamp, geb., 21.95 €
9783518424513


Williams, John:
Stoner DTV, 9.90 €, TB
9783423143950

 

 

 

 

 


Renata Viganò – Agnese geht in den Tod

Dieser Roman ist eine echte Wiederentdeckung – in Italien berühmt, auf Deutsch bisher nur 1951 in der DDR erschienen, ein bewegender Roman über den Zweiten Weltkrieg, ein Blick in den italienischen Untergrund beim Kampf gegen die nationalsozialistische Besatzung – ein spannender, in seinem Ernst und seiner Gradlinigkeit ergreifender Roman über die Entwicklung einer einfachen Frau zur selbstbewussten Partisanin!

Wer noch unsere Lesung mit Robert Cohen über das "Exil der frechen Frauen" erinnert (siehe hier), ist bereits bestens im Thema!

Italien wird nach dem Tode Mussolinis von den Nationalsozialisten besetzt. Als die alternde Wäscherin Agnese einen einheimi-
schen Soldaten bei sich aufnimmt, verraten die Nachbarn sie an die Besatzer. Ihr Mann wird abgeholt und stirbt auf dem Weg ins KZ. Agnese schliesst sich dem Widerstand an und übermittelt Nachrichten, transportiert Lebensmittel und Sprengstoff als Botin auf dem Fahrrad . In einem Racheakt erschlägt Agnese einen Deutschen. Damit nimmt das Schicksal seinen Lauf: Agnese muss fliehen und geht in den Untergrund. Der Winter 1945 bringt schließlich die Katastrophe: Die Partisanen sind vom Eis eingeschlossen, und Agnese gerät in eine deutsche Kontrolle ...
»La Responsabile« wird die fürsorgliche Wäscherin genannt: Agnese, die bislang in der Verantwortung für ihren kränkelnden Mann gelebt hat, übernimmt wie selbstverständlich Verantwortung bei den Partisanen der Resistenza und entwickelt eine ungeahnte Stärke ...

Die Italienerin Renata Viganò (1900 − 1976) schrieb Erzählungen und Romane. »Agnese geht in den Tod« ist ihr berühmtestes Werk. Ihr Haus in Bologna war ein bekannter Treffpunkt für Schriftsteller, Philosophen, ehemalige Partisanen.

Dieses Buch wurde auf einer Lesung in unserer Buchhandlung am 24.11.2014 vorgestellt. Für mich das Buch des Jahres! (hn)

 


Roman, Band 23 der

edition fünf
Deutsch von Ina Jun-Broda, neu bearbeitet und mit einem Nachwort von Ulrike Schimming
gebunden, 312 Seiten

€ 21,90

ISBN 978-3-942374-46-0

 

 

 

 

 

Padura, Leonardo: Ketzer

Leonardo Padura ist ein kubanischer Autor, der uns mit seinen ungewöhnlichen Krimis um den Teniente Mario Conde sehr offen und realistisch den heutigen Alltag seines Landes nahe bringt. Es sind die lebendig beschriebenen Figuren, die seine Bücher so aufregend machen. Dabei wertet Padura nicht - er erzählt einfach, die Beurteilung überlässt er dem Leser.
In seinem neuen großen Werk ist die heutige Krimihandlung nur ein wichtiger, spannend und gut erzählter Teil, genau genommen erzählt er drei Romane in einem: Da ist die Geschichte aus der Blütezeit des mittelalterlichen Amsterdam um Rembrandts verschollenes Christus-Bild, die Beschuldigung der Ketzerei gegen den Maler und sein Modell, einen jüdischen Jüngling. Wir erleben die gescheiterte Flucht ins kubanische Exil der Familie Kaminsky, mit einem Bild von Rembrandt, seit Generationen im Besitz der Familie, hoffen sie, sich freizukaufen. Doch die Einreise wird allen verweigert. Das Schiff fährt zurück nach Europa. Daniel Kaminsky wird seine Familie nie wiedersehen.
Mario Conde macht sich auf die Suche nach den Geheimnissen des Christusbildes und der Familie Kaminsky. Der Fall führt ihn durch die Jahrhunderte. Die Spur zieht sich um die halbe Welt. Ein aussergewöhnlicher Roman! (hn)

 


Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein
Unionsverlag, Zürich 2014, gebunden, 652 Seiten
€ 24,95
ISBN 3-293-00469-5

       
 

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

"Ein ganzes Leben" hat der preisgekrönte österreichische Autor und Schauspieler Robert Seethaler sein neues Buch betitelt und er erzählt darin das ganze Leben des Seilbahnarbeiters Andreas Egger, von dessen Kindheit bei einem Bauern, der ihn widerwillig aufnimmt, seiner Jugend als Hilfsknecht, seiner Arbeit bei der Bergbahn und seiner Liebe zu Marie.

Ein einfach geschriebener Roman, der in seiner ruhigen und philosophisch anmutenden Erzählweise nichts von Alpenkitsch hat, vielmehr ein bewegendes Buch über den Fortgang der Zeit und die Veränderungen, die das Leben bringt. (hn)

Wir empfehlen auch den Erstling des Autors, der nunmehr neu als Taschenbuch aufgelegt worden ist:
Seethaler, Robert: Der Trafikant, Kein + Aber, TB 9.90 €
978-3-03-695909-2

 

 


Hanser-Verlag, gebunden, 17,90 Euro ISBN: 978-3-446-24645-4

 

Grandes, Almudena: Inés und die Freude

Almudena Grandes ist eine der wichtigsten Stimmen der spanischen Gegenwartsliteratur. Seit einigen Jahren arbeitet sich die 54-jährige Autorin in ihren Romanen aus alternierenden Perspektiven an ihrem großen Lebensthema ab: dem spanischen Bürgerkrieg mit all seinen blutigen Facetten. Ihr ebenso ambitioniertes wie gewagtes Projekt ist ein sechsbändiges Opus magnum über dieses dunkle Kapitel der spanischen Geschichte. Zuletzt hatte sie einen neunjährigen Jungen namens Nino ins Zentrum ihres Romans „Der Feind meines Vaters“ (dt. 2013) gerückt. (siehe unsere Empfehlung hier)

Als Roman „über Spaniens Unglück“ hat Grandes ihr neues opulentes Erzählwerk „Inés und Freunde“ bezeichnet. Wir befinden uns im Oktober 1944. Mit der Landung der alliierten Truppen in der Normandie scheint sich ein Ende des Zweiten Weltkriegs und des Faschismus in Europa abzuzeichnen. 4.000 mutige Freiheitskämpfer - Kommunisten, Sozialisten und andere Republikaner - dringen durch die Pyrenäen nach Nordspanien vor und wollen von dort den Kampf gegen das Franco-Regime initiieren. So weit der historische Kontext, in den Almudena Grandes ihre „fiktive Geschichte vor realem Hintergrund“ einbettet.
Im Zentrum steht die aus gutbürgerlicher, dem Franco-Regime zugeneigten Madrider Familie stammende Inés, die sich ausgerechnet in Galán, den Rebellen-Anführer, verliebt. Das führt zu heftigen familiären Turbulenzen. Inés’ Bruder ist ein überzeugter Falangist, dem offensichtlich jedes Mittel recht ist, um seine mutige und selbstbewusste Schwester zur Umkehr zu bewegen. Er holt sie aus dem Gefängnis und sperrt sie zwischenzeitlich in einem Dorfhaus in den Bergen ein. Die politischen Wirren verursachen tiefe Risse, die die Familien und Dorfgemeinschaften vollends entzweien und Geschwister und Nachbarn zu gnadenlosen Feinden werden lassen.
Eines Morgens im Jahre 1944 hört sie im Radio, die Guerillakämpfer seien bis 50 km vor ihre Unterkunft erfolgreich vorgerückt. Es gelingt ihr, mit dem Pferd ihres Bruders zu flüchten und sich den Republikanern anzuschließen. Sie verliebt sich in den Kapitän Galán und erlebt das Scheitern der Guerilla, die in Spanien erstaunlicherweise bis heute in Vergessenheit geraten ist. Bis Francos Tod im Jahre 1975 und der damit verbundenen Transición wird ihr Exil in Frankreich und das gefährliche Leben ihres Mannes im Geheimdienst beschrieben.
Ein spannend zu lesender historischer Roman, der gekonnt Geschichte mit Fiktion vermischt, Abenteuer mit Romantik und Spannung. Stilistisch ansprechend, inhaltlich unterhaltsam und lehrreich. (hn)

 

 


Hanser, geb., 24.90 €
9783446245976

 

Clement, Jennifer: Gebete für die Vermissten

Elf Jahre hat die US-amerikanische Autorin mit Wohnsitz in Mexiko Interviews mit Mädchen in ihren Verstecken geführt, mit Frauen von Drogendealern, mit deren Kindern und Müttern und auch mit Frauen im Gefängnis: "Mich überrascht immer, wie sehr die Leute ihre Geschichte erzählen wollen. Das ist geradezu ein menschliches Bedürfnis! Während sie mir ihre Geschichten erzählten, habe ich Ausschau nach poetischen Momenten gehalten: nach dem Geschmack der Worte und nach Metaphern. Zum Beispiel hat mir eine Mutter, deren Tochter entführt worden war, erzählt: 'Und ich habe ihr noch gesagt: Geh im Schatten! Halt dich im Schatten!"
Es sind solche Bilder, die Jennifer Clements Roman so stark machen. Denn die Sprache der Autorin ist schlicht und unspektakulär. Doch sie weiß um die Kraft der Bilder, die sie gekonnt und überraschend einsetzt. Die Stelle im Dorf, an der man einzig und allein Handyempfang hat, heißt zum Beispiel Delphi. Als stärkstes Bild bleibt aber das von den Erdlöchern im Gedächtnis haften, in die die Mädchen wie Kaninchen huschen, um sich vor ihren möglichen Entführern zu verstecken.
Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, inmitten von Mais- und Mohnfeldern, in einem Dorf ohne Männer, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst tot. Es ist eine karge und harte Welt, in der ein Mädchenleben wenig zählt. Eine Welt, in der verzweifelte Mütter ihre Töchter als Jungen verkleiden oder sie in Erdlöchern verstecken, sobald am Horizont die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler auftauchen. Aber Ladydi träumt von einer richtigen, "normalen" Zukunft, sie träumt von Freundschaft und Liebe und Wohlstand. Ein Job als Hausmädchen in Acapulco verspricht die Rettung, doch dann verwickelt ihr Cousin sie in einen Drogendeal. Und plötzlich hält sie ein Paket Heroin in den Händen, und ein gnadenloser Überlebenskampf beginnt.
Angesichts der heutigen Auseiandersetzung um die Ermordung von 43 demonstrierenden Studenten, die staatliche mexikanische Behörden offensichtlich zur "Beseitigung" an kooperierende Mafia- oder andere Killerkommandos übergeben haben, hat dieser Roman eine atemberaubende, nahezu dokumentarische Nähe zur gesellschaftlichen Wirklichkeit in Mexico. Ein Buch, das einen lange nicht loslässt. (hn)

 

 


Suhrkamp-Verlag, geb.,
229 Seiten 19.95 €
9783518424520

 











Zwei herausragende politische Sachbücher seien Ihnen besonders empfohlen:

Piketty, Thomas: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Dieses Buch erzählt vordergründig nichts Neues, wir alle wissen, wie der Reichtum bei einer kleinen gesellschaftlichen Minderheit wächst, was für eine enorme Umverteilung in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat.
Aber das im einzelnen verständlich zu verfolgen, die empirischen Daten so exakt und auch (ja, tatsächlich!) spannend aufbereitet lesen zu können und nachvollziehbare Lösungsvorschläge für die anhaltende ökonomische Krise vorgelegt zu bekommen – das hat ausser diesem französischem Ökonomen noch niemand fertiggebracht. Zu Recht jubelt die kritische Wissenschaft.

 

 

Wem dieser Schmöker gar zu gwaltig geraten ist, der möge sich zunächst mit dieser gekonnten Einführung (nebst Rezensionsüberblick und Darlegung der wichtigsten kritischen Einwände gegen Piketty) befassen:

Kaufmann, Stephan Stützle, Ingo

Kapitalismus: Die ersten 200 Jahre
Thomas Pikettys "Das Kapital im 21. Jahrhundert" – Einführung, Debatte, Kritik

 

 

Packer, George: Die Abwicklung

Eine innere Geschichte des neuen Amerika
Das epochale Buch zur Lage der USA - so etwas schaffen nur die Amerikaner: Ein lesbares, unterhaltsames, spannendes Sachbuch über ein bedrängendes Thema zu schreiben - ohne dabei wissenschaftliche Standards zu missachten. Das ist eine Schreibe, die es hierzulande nicht (oder kaum!) gibt. In Deutschland - so scheint es - müssen wissenschaftliche Reportagen oder Essays unlesbar sein, sonst genügen sie wissenschaftlicher Reife nicht. Dieses Werk (und Sie können beliebig andere, z.B. zur amerikanischen Bürgerrechtsbewegung nehmen - Sie werden eine Fülle von hochqualifizierten aber dennoch höchst spannend zu lesenden Abhandlungen finden, leider nur ein Bruchteil in deutscher Übersetzung!) spürt den Brüchen und Verwerfungen in der amerikanischen Gesellschaft in beinahe 50 Einzelporträits oder Reportagen nach, ein bislang beispielloses, anschauliches Unterfangen. Wer die heutige USA verstehen will, sollte dieses Buch lesen. (hn)

 

 


Beck C. H., gebunden,
816 Seiten 29.95 €
9783406671319

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Bertz + Fischer, Kartoniert,
112 Seiten, 7,90 €
978-3-86505-730-3

 

 

 

 

 


FISCHER-Verlag, geb.,
509 Seiten 24.99 €
9783100001573

   

 

Viele bunte neue Krimis –

auch von alten Bekannten …

Für alle LeserInnen etwas anspruchsvollerer Kriminalromane, eine komplexere und vielschichtige, dabei sprachlich gekonnt ausgefeilte Geschichten lieben, gibt es in diesem Herbst ein ganzes Füllhorn, das zum Überwintern reichen dürfte!


Da ist zunächst "Der Sohn" – abseits von den Spuren, die der große Harry Hole hinterlassen hat, aber dennoch unverkennbar ein echter Nesbø! Spannend, mit immer neuen überraschenden Wendungen - super!


Gewohnt gut wie immer das Gespann Hjorth/Rosenfeldt um den nicht gerade sympathischen Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann über "Das Mädchen, das verstummte" sowie der neue Deon Meyer über die "Cobra"!


Da ist aber auch die Rückkehr eines langjährig vermissten Südafrikaners, Andrew Brown, mit "Trost" zu vermelden - wer ihn noch nicht kennt, sollte unbedingt auch die beiden älteren, gut geschriebenen und windungsreichen Taschenbücher lesen!

 

Endlich – auch Robert Wilson (siehe hier) ist mit einem neuen Serienhelden zurück - jetzt hat er die iberische Halbinsel verlassen und seine neuen Krimis in London angesiedelt, auch wenn es den Kosmopoliten natürlich auch zeitweilig in andere Weltgegenden führt. Diesmal – natürlich hochspannend wie immer — überschätzt sich der Protagonist gewaltig …

 

Es gilt aber auch, neue schwedische Krimi-Autoren anzupreisen: Carl-Johan Vallgren ist bislang durch zwei fundierte historische Romane sehr erfolgreich in Erscheinung getreten und legt nun seinen ersten Krimi vor: Eine komplexe, schier unerklärliche Entführungsgeschichte, in die unser Held hineingezogen wird …


Joakim Zander ist wirklich ein neuer Autor, der hier einen höchst mysteriösen Spannungsroman in den Gefilden der EU-Institutionen in Brüssel ansiedelt – da bleibt so vieles so unerklärlich … und die NSA lässt grüssen!

 

(hn)

 


Brown, Andrew:
– Trost, btb, kart., 14.99 €
9783442754076

– Schlaf ein, mein Kind,
btb, TB 9.00 €
9783442739516
– Würde, btb, TB 9.99 €
9783442743926

Hjorth, Michael - Rosenfeldt, Hans:
Das Mädchen, das verstummte, Wunderlich, 19.95 €, 9783805250771

Meyer, Deon: Cobra Ruetten und Loening, gebunden 19.99 €, 9783352006869

Nesbø, Jo: Der Sohn Ullstein, geb., 22,99 €,
978-3-550-08044-9

Vallgren, Carl-Johan: Schattenjunge, Heyne Verlag, geb., 19.99 €
9783453269460

Wilson, Robert:
– Ihr findet mich nie, Page & Turner, kartoniert, 14.99 €
9783442204397
– Stirb für mich,
Page & Turner, Folge 1 der Charles-Boxer-Serie,
kartoniert, 14.99 €,
978-3-442-20422-9

Zander, Joakim:
Der Schwimmer, Rowohlt
TB, 14.99 €, kartoniert,
9783499268878

       
 

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